zurück zu CineAsia #2
 
CineAsia Aktuell
Aktuelle Ausgabe
Film-News

Alte Ausgaben
Bezug
Feedback
Impressum

Burning Paradise
Links
Acknowledgements
Impressum Web

 

 

 



JOURNEY TO BEIJING und ADEUS MACAU wurden vom unabhängigen Vetrieb Ying E Chi gemeinsam auf VCD veröffentlicht. Abgesehen von Ankündigungen zu IN THE DUMPS, DREAMTRIPS und LONG DISTANCE/ BETRAYAL gibt es im aus-faltbaren Backcover auch einige Pressestimmen (auf englisch und chinesisch). Englische Untertitel.

 

| JOURNEY TO BEIJING
USA/Hongkong 1998

Regie:
Evans Chan Yiu Sing
Drehbuch:
Evans Chan Yiu Sing
Kamera:
Wong Ping Hung
(Hongkong), Wang Jie
(VR China), Philip Gerrard
(San Francisco) & Garret
Sokoloff (New York)
Schnitt:
Evans Chan Yiu Sing
Musik:
Milos Raikovich, Margaret
Leng Tan, The Voice of
Reason, Ube, Carolyn
Goor Hutchinson
Ausführender Produzent:
Willy Tsao

 

| ADEUS MACAU
USA/Hongkong 1999

Regie:

Evans Chan Yiu Sing
Drehbuch:
Evans Chan Yiu Sing
Kamera:
Nicholas Sun (Macau &
Hongkong) & Ron
Schreiber (USA)
Schnitt:
Evans Chan Yiu Sing &
Betty Lee
Musik:
Tuna Macaense & Lam
Bun Ching
Ausführende Produzentin:
Stella Sze Kit Ling


 

 

 

1997-1999   

CHINA DECOLONIZED

  zwei Video-Dokumentationen
von Evans Chan

 


"Everyone... in his own
way is living out
the end of an era"

- Paul Virilio

  

 






von Stefan Borsos

Die Wiedervereinigung Hongkongs mit der Volksrepublik China am 1.7.1997 nach über 150 Jahren der Kolonialherrschaft war seit Beginn der britisch-chinesischen Verhandlungen 1982 ein immer wiederkehrendes Thema für Filmemacher der ehemaligen Kronkolonie. Neben eher unterbewußten Reaktionen auf das Schicksalsdatum wie hemmungslosem Eskapismus, speziell in den 90ern, Nostalgie (´92 LEGENDARY LA ROSE NOIR), der Betonung des Teamgeistes (LIFELINE) oder Fatalismus (THE LONGEST NITE) näherten sich Regisseure wie Tsui Hark, John Woo, Clara Law oder Fruit Chan auf vielfältigsten Wegen mit unterschiedlichen Ergebnissen dem Thema inhärenten Fragen und Problemen. Drei oft gewählte Arten der Auseinandersetzung und Themengewichtung lassen sich dabei ausmachen: Zum ersten jene Filme, die verschlüsselt in Parabeln anhand von Metaphern und Symbolen Aussagen über die Zukunft Hongkongs und politische Kommentare zu den zukünftigen Machthabern zu treffen versuchen und dabei zumeist unter dem Einfluß des Tiananmen-Massakers 1989 pessimistische Zukunftsszenarien entwerfen, zu sehen in A CHINESE GHOST STORY 1-3 (´87-´91), A BETTER TOMORROW 3 (´89), BULLET IN THE HEAD (´90) oder THE WICKED CITY (´92). Zum zweiten jene Filme, die sich mit der chinesischen Diaspora und damit einhergehend mit der Suche nach den kulturellen Wurzeln und Identität beschäftigen, zu sehen in HOMECOMING (´84), THE ILLEGAL IMMIGRANT (´85), FAREWELL CHINA (´90) oder FLOATING LIFE (´96). Und zum dritten jene Filme, bei denen die Übergabe vor allem als zeitlicher Hintergrund für die Handlung dient und die Reaktionen der Menschen auf den Machtwechsel bzw. die sozialen Konsequenzen darzustellen versuchen, zu sehen in THE LOG (´96) oder der 97er Trilogie MADE IN HONG KONG (´97), THE LONGEST SUMMER (´98) und LITTLE CHEUNG (´99). Derjenige chinesische Regisseur, der sich am ausgiebigsten und wohl auch erfolgreichsten mit dem Thema befaßt hat, ist nach wie vor Evans Chan, nicht nur einer der angesehensten Kritiker Hongkongs und Dramaturg („Sexing Three Millennia“), sondern auch Theaterregisseur („The Naked Earth“) und unabhängiger Filmemacher, der seine Zeit zwischen Hongkong und New York aufteilt.


Während sich seine ersten beiden narrativen Arbeiten TO LIV(E) (´91) und CROSSINGS (´94) auf intelligente und ambitionierte Weise (nicht nur) mit der Emigrationsproblematik auseinandersetzten, drehte Chan mit JOURNEY TO BEIJING (´98) und ADEUS MACAU (´99) unter der Überschrift China Decolonized zwei bemerkenswerte Video-Dokumentationen, die neben dem bedingt ähnlichen RIDING THE TIGER (R: Leong Po Chih & Leong Sze Wing) sicherlich die beste und umfassendste Behandlung der mit der Übergabe verbundenen Themen bieten.


 JOURNEY TO BEIJING


Ersterer, mit einem Budget von etwa 100.000 US-Dollar gedreht und 1999 auf der Berlinale zu sehen, begleitet über einen Zeitraum von vier Monaten die „Walk to Beijing“-Kampagne, einen philantropischen Marsch von Hongkong nach Peking, organisiert von der Hongkonger Wohltätigkeitsorganisation Sowers Action, um Gelder für die Ausbildung von Kindern und Errichtung von Schulen in einigen ärmlichen Provinzen Chinas zu sammeln. Beginnend mit dem 16.2.1997 über- und durchqueren Chan und sein Team gemeinsam mit den Wanderern historisch bedeutsame Orte wie den Gelben Fluß (die Wiege der chinesischen Zivilisation), Mao Tse Tungs Geburtsort Shaoshan, den Tiananmen-Platz in Peking und gelangen am 15.6.1997 schließlich zur Chinesischen Mauer. Chan nutzt, und das ist der Clou des Films, den Marsch als geographischen, zeitlichen und politischen Rahmen, um die komplexe Beziehung Hongkongs zum Festland zu untersuchen. In durch Zwischentitel getrennten Kurz-Essays befaßt er sich parallel zum Marsch mit den ökologischen Gefahren, die der Machtwechsel mit sich bringt (Christine Loh, Lew Young), Hongkongs Schwulenbewegung (Stanley Kwan, Julian Chan), der Emigrationsthematik (Lo Fu, Lau San Ching), chinesischer Vergangenheit im Vergleich zum heutigen China (Lao Si Guang) und auch der Gefährdung der freien Meinungsäußerung angesichts von Tiananmen und den Änderungen des Grundgesetzes und der vormals demokratischen politischen Strukturen durch die neue Regierung (Martin Lee, Lee Yee). Dazwischen interviewt Chan auch die Wanderer zu ihren Motivationen, ihren Gefühlen und ihren Träumen, er zeigt ihre Entbehrungen während des Marsches, die nicht immer positiven Reaktionen der chinesischen Landbevölkerung und auch die Erfahrungen, die sie rückblickend bei dem Projekt gesammelt

 
EVANS CHAN  
haben.  Sei  es  eine abenteuerlustige junge Frau, die bereits den Zusammenbruch  der  ehemaligen  Sowjetunion miterlebte, ein ehemaliger Flugzeugpilot, der unter Deng Xiao Ping im Zweiten Weltkrieg gedient hat, oder ein frisch verheirateter Mann, der durch diese Trennung die Liebe zu seiner Frau beweisen möchte – sie alle sorgen dafür, daß JOURNEY auch eine menschliche Dimension erhält und somit zu einem bewegenden Film wird.

 

weiter zu Teil 2 >