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LAI MAN WAI-FATHER OF HONG KONG CINEMA ist auf DVD in einer Collector´s Edition erhältlich. Neben chinesischen, japanischen, englischen, französischen und deutschen Untertiteln gibt es ein schönes Booklet (40 Seiten, zur Hälfte chinesisch, zur Hälfte englisch + einem deutschen Text), das in das Frontcover (innen) eingelassen ist. Bestellt werden kann bei den üblichen Versandfirmen oder auch bei CineAsia direkt.

 



| LAI MAN WAI -
FATHER OF HONG KONG
CINEMA
Hongkong 2001

Regie:
Choi Kai Kwong
Drehbuch:
Law Kar & Stephanie Ng
Yuet Wah
Kamera:
Lai Shek
Schnitt:
Choi Kai Kwong, Louis Lee
Shu Yin & Roy Chow
Musik:
Law Wing Fai
Produktion:
Choi Kai Kwong & Law Kar
)


 

 


Choi Kai Kwong über :

Lai Man Wai -   
Father Of Hong Kong Cinema 



  Text & Interview: Stefan Borsos

  

 






Choi Kai Kwong wurde 1946 in Hongkong geboren. Nach dem Studium der Englischen Literatur in Berkeley und einem Filmstudium in San Francisco arbeitete er mehrere Jahre beim Fernsehen, wo er u.a. Episoden erfolgreicher Serien wie WONDERFUN oder WONG FEI HUNG inszenierte. Seinen Einstieg in die Filmindustrie feierte er 1978 mit dem Ko-Drehbuch zu Yuen Wo Pings SNAKE IN THE EAGLE´S SHADOW, zwei Jahre später folgte sein Spielfilmdebüt ENCORE. Von 1993 bis 2002 unterrichtete Choi Film/TV-Regie an der School of Film & Television der Hong Kong Academy of Performing Arts. Seitdem ist er wieder freiberuflich als Regisseur/Autor aktiv und bereitet derzeit mehrere Projekte vor. Zu seinen Filmen zählen: ENCORE (´80), NO U-TURN (´81), TEENAGE DREAMERS (´82), HONG KONG, HONG KONG (´83), NORTH, SOUTH, EAST, WEST (´84), TWO GIRLS (´85), GROW UP IN ANGER (´86), AMNESTY DECREE (´87), BIG BROTHER (´87), CITY WARRIORS (´88, nur Produktion), NAUGHTY COUPLE (´94), LAI MAN WAI-FATHER OF HONG KONG CINEMA (´01).

 

Wie kamst Du dazu, eine Dokumentation über Lai Man Wai zu machen?
Seit ich meinen Lehrposten an der APA [= Academy of Performing Arts] antrat, war ich daran interessiert, auch selbst weiterhin Filme zu machen. Als dann vor einiger Zeit der Arts Development Council entstand und Geld für die Finanzierung unabhängiger Projekte bereitgestellt wurde, dachte ich, es wäre ganz gut, Dokumentarfilme zu drehen. Ich fragte also meinen alten Freund Law Kar, ob er nicht als Produzent mit mir zusammenarbeiten wolle. Und da in unseren Augen immer noch sehr wenig bekannt ist über Filmemacher aus Hongkong, kamen wir auf die Idee, Dokumentarfilme über Filmleute zu produzieren. Und zwar Filmleute, die noch leben, was hierzulande ziemlich ungewöhnlich ist. Denn einem chinesischen Sprichwort zufolge sollte man nur über Menschen reden, die schon tot sind, nicht aber über diejenigen, die noch leben (Lachen).
Als wir uns kurz darauf nach einem geeigneten Filmemacher umsahen, erfuhren wir, daß Lee Hon Cheung [Mandarin: Li Han Xiang; Regisseur von Klassikern wie THE ENCHANTING SHADOW (1960), EMPRESS WU TSE TIEN (1963) oder THE WARLORD (1972)] in Peking einen neuen Film drehte. Daraufhin fiel mir ein, daß sich Lee zehn Jahre zuvor einer Herzoperation unterzogen hatte, und ich wußte, daß wir nicht mehr viel Zeit haben würden, etwas über ihn zu  machen. Doch  ehe  wir  uns  endgültig  entschieden   hatten,   verstarb er   leider.   Also
beschlossen wir, zu den Ursprüngen des Hongkong-Kinos zurück-zugehen und Lai Man Wai in den Mittelpunkt unseres Films zu stellen. Zunächst war geplant, einen Zeitaufwand von einem Jahr zu investieren, um eine fünfzehnminütige Dokumentation zu erstellen. Aber je länger wir an dem Projekt arbeiteten, desto klarer wurde uns, daß das Material zu gut und Lai zu wertvoll war, um etwas so kurzes zu machen. Wir recherchierten mehr und mehr, entdeckten immer wieder neues Material, so daß am Ende daraus ein Film von zweieinhalb Stunden wurde, für dessen Fertigstellung wir zweieinhalb Jahre benötigten (Lachen).
 
 
 
LAI MAN WAI

Hat sich Deine Sichtweise auf Lai Man Wai im Laufe der Dreharbeiten geändert?
Na ja, uns war natürlich bekannt, daß Lai als Vater des Hongkong-Kinos einen wichtigen Platz in unserer Filmgeschichte einnimmt. Im Zuge der Recherchen und Dreharbeiten fanden wir jedoch heraus, daß er weitaus mehr war als das. Ich denke, Lai hat sich genauso verhalten, hat genauso gelebt, wie es ein guter Chinese, ein guter Mensch im vergangenen Jahrhundert hätte tun sollen. Er wurde 1893 geboren und starb 1953 – in diesen sechzig Jahren wurde er Zeuge von zahlreichen großen Veränderungen in China. Auf seine Art und Weise half er im Dienste der Revolution mit, die Mandschu-Regierung zu stürzen. Später machte er sich stark für Vereinigung Chinas und dokumentierte die Kämpfe zwischen Kommunisten und Nationalisten. Mit Minxin und Lianhua gründete er zwei der wichtigsten Filmstudios Chinas, die etliche große Klassiker hervorbrachten. Als Filmemacher war Lai ein sehr bescheidener Mensch. Stets kam es ihm in erster Linie darauf an, gute Filme zu produzieren; er wollte kein berühmter Regisseur, Schauspieler oder Drehbuchautor sein. Deshalb ist er in den ganzen Filmen auch immer nur als „production manager“ genannt. In Wirklichkeit aber war Lai die Seele, der Antrieb seiner Produktionen. Am besten könnte man ihn vielleicht als großen Produzenten bezeichnen.

Reden wir über die Struktur des Films: Hattest Du auch andere Ansätze in Betracht gezogen als jenen, den Du schließlich gewählt hast?
Klar, zu Beginn des Projekts dachten wir über viele Strukturierungsmöglichkeiten nach, einschließlich eine mit Spielsequenzen oder eine im Stil von Orson Welles´ CITIZEN KANE. Aber nachdem ich unser Material gesichtet hatte, wurde mir klar, daß der einfachste zugleich auch der beste Weg war, Lai zu porträtieren. Ich hatte zwar bei den Interviews ursprünglich viel Material gedreht, mit zahlreichen Einstellungen inklusive Totalen und Close Ups, doch ich ersetzte den Großteil davon durch Photographien, Originalfilmsequenzen oder anderes Dokumentarmaterial. Es erschien mir einfach effektiver, um Lai den Zuschauern nahezubringen.

War es schwer, an all das Originalmaterial und die Interviewpartner zu kommen?
Ja, es hat sehr lange gedauert, bis wir all die Sequenzen zusammen hatten, die im fertigen Film zu sehen sind. Vieles fanden wir in den Filmarchiven von Hongkong, Peking oder Taipei, einiges erhielten wir auch aus Privatsammlungen und hier und da mußten wir Material von Produktionsfirmen abkaufen. Für die Auswahl und das Auffinden der Interviewpartner war in erster Linie Law Kar zuständig. Er ist der Filmwissenschaftler von uns beiden und hatte auch die nötigen Kontakte dafür.

Was ist als nächstes geplant? Machst Du eine weitere Dokumentation?
Eine weitere Dokumentation sicherlich nicht – ich brauche dringend eine Pause (Lachen). Aber ich spiele mit dem Gedanken, einen Spielfilm über Lai Man Wai zu machen. Immerhin habe ich diesem Mann zwei Jahre meines Lebens gewidmet. Da ist zwar noch nichts spruchreif, doch es wäre meiner Ansicht nach ganz interessant, einige wichtige Ereignisse aus Lais Leben en detail zu beleuchten.

Dann wünsche ich Dir viel Glück bei dem Projekt und danke herzlich für das Gespräch.

 

Many thanks and best regards: Choi Kai Kwong

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