Falls
nach SOMEBODY UP THERE LIKES ME und BEYOND HYPOTHERMIA noch
irgend jemand Patrick Leung NICHT für einen der besten
Regisseure des zeitgemäßen Hongkong-Kinos halten
sollte, der wird allerspätestens mit TASK FORCE auf den
richtigen Weg geführt. Waren seine ersten beiden Werke
noch klar definierte Genrefilme, so erfolgt jetzt eine Weiterentwicklung,
ein Ausbrechen aus filmischen und erzählerischen Konventionen.
TASK FORCE hat nicht mehr eine durchgehende Geschichte, sondern
läßt mehrere Plotlinien und auch mehrere Genres
zu. Die Hauptfigur ist der von Cantopop-Star Leo Koo dargestellte
Polizist Rod, ein unbedarfter, schüchterner Junge, der
noch immer auf die erste Freundin wartet. Rods Partner Lulu
(gespielt von Eric Tsang) dagegen gibt den wepsigen Weiberhelden,
jemanden, der sich zwei Meter vor der Ehefrau einen blasen
läßt und bei jeder weiblichen Straftäterin
einen Anbaggerversuch startet. Die gemeinsame Freundin der
beiden ist Kollegin Shirley (Karen Mok), die nicht nur einen
untreuen Freund, sondern auch den Tod ihres nach einem Herzanfall
gestorbenen Vaters verkraften muß. Und schließlich
taucht da noch die Nutte Fanny (Charlie Yeung) auf, eine quirlige,
lebenslustige Person, die dank ihrer Beziehung zu einem eiskalten
Killer vor allem Rod und Lulu ständig in die Quere kommt.
Patrick
Leung und Drehbuchautor Chan Hing Kar ziehen TASK FORCE als
facettenreiches Plotmosaik auf und schaffen mit viel Schwung
und Eleganz sowohl zwischenmenschliche als auch kausale Verbindungen
zwischen den einzelnen Figuren. Ganz im Gegensatz zu SOMEBODY
und BEYOND ist hier eine gelöste, warme Atmosphäre
zu vermelden, die neben den vorherrschenden Dramaelementen
auch Raum für Komödien- und Actioneinlagen gestattet.
Patrick Leungs Wunsch war ein Film mit betont „normalen“
Personen und genau das ist ihm durch das Zulassen vielschichtiger
Stimmungen und Emotionen auch gelungen. Es ist eine wahre
Freude, vor allem Charlie Yeung (in ihrer letzten Rolle!)
und Eric Tsang zuzusehen, so gut und mitreißend spielen
sie. Gleichberechtigt neben den Stars steht aber auch Patrick
Leungs Regiekönnen, das gerade durch den Genreausbruch
auf eine Belastungsprobe gestellt wird und diese mit einer
wirklich nur noch von Mentor (und Cameoauftreter) John Woo
erreichten Hyperkinetik pulverisieren kann. Es gibt in TASK
FORCE zum Beispiel drei große Actionszenen, die nicht
nur allesamt megaflashig inszeniert sind, sondern sich auch
–hier beginnt das Neuland – durch die jeweilige
Wahl der Waffen (Pistolen, Schwerter, Fäuste) über
den unmittelbaren Kontext hinaus filmische Referenzen (in
diesem Fall an die großen „Actionepochen“
Hongkongs) erlauben. Patrick Leung geht eben einen Schritt
weiter, bindet sich nicht mehr an konventionelle Erzähltechniken
und erscheint deswegen endgültig als gereifter Regisseur,
der – ganz ähnlich wie John Woo – sämtliche
filmische Möglichkeiten gezielt einsetzt und so einen
eigenständigen Stil erkennen läßt. TASK FORCE
ist eine verführerisch dekorierte Pralinenschachtel,
die trotz unterschiedlicher Geschmacksrichtungen stets mundet
und eine harmonische Einheit bildet. Ohne Frage darf hier
einer der besten und spannendsten Hongkong-Filme dieses Jahres
genossen werden.
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